Enterprise 2.0 in aller Munde

Ein weiterer Beweis dafür, daß es sich beim Thema Enterprise 2.0 um ein sehr aktuelles Thema handelt ist heute auf Computerwoche.de zu lesen. In meinem gestrigen Beitrag Social Business at Bayer MaterialScience | CIO Kurt De Ruwe im Interview habe ich über die interne Kommunikation bei Bayer berichtet und heute wie gesagt der Artikel zum Thema Mehr soziale Vernetzung wagen.

Interessante Aspekte spricht Stefan Ried, Principal Analyst bei Forrester Research, an. “Erwähnen Sie in Europa nicht Facebook, wenn sie mit Unternehmen sprechen. Die Plattform hat in den Firmen einen ganz negativen Ruf”, empfiehlt Stefan Ried. “Meiden Sie auch den Begriff Social Media, denn er trifft nicht das, was in den Firmen gerade vor sich geht. Social Enterprise oder Social Business sind bessere Ausdrücke.” Grundlegend kommt der Experte zum Schluß:”Die Art und Weise wie man kommuniziert, wird leichter, direkter und schneller, aber auch granularer”.

Der Artikel führt 4 Beispiele auf, wie Unternehmen mit Hilfe von diversen Tools und Anwendungen die interne Kommunikation an die neuen Begebenheiten angepasst haben. Bayer ist zwar keines der aufgeführten Beispiele, aber auch die hier erwähnten wie zum Beispiel die Deutsche Telekom, Verivox, AVL und Rheinmetall berichten von ähnlichen Erfahrungen und Erfolgen.

  • Deutsche Telekom | Christof Hafkemeyer, Leiter Technik und Medienentwicklung in der Unternehmenskommunikation der Deutschen Telekom umschreibt den Zweck der Anpassungen wie folgt:”Die Nutzung soll Spaß machen. Das Enterprise 2.0 muss so gestaltet sein, dass Mitarbeiter Freude daran haben, sich damit zu beschäftigen“. Durch die Abbildung der internen Arbeitsprozesse in den Tools, können Arbeiten schneller und effizienter erledigt werden. So hat Hafkemeyer die Planung von regelmäßigen Meetings ins Social Business verlagert. “Seitdem haben wir eine enorme Transparenz in unserer Planung und uns sehr viel doppelte Arbeit erspart“, schwärmt Hafkemeyer. Der Erfolg solcher Änderungen bedarf aber zweier wichtiger Faktoren. Einerseits der aktiven Unterstützung des Managements und zum anderen dem Willen der Mitarbeiter eine solche Infrastruktur aufbauen zu wollen. “Die Kollegen haben sehr unterschiedlich reagiert. Einige hatten keine Berührungsängste und haben gleich losgelegt, andere haben mir weiterhin Themenvorschläge gemailt. Ihnen habe ich geraten, die Hinweise im Wiki mit den Kollegen zu diskutieren“. Sind all das die Gründe eines Unternehmens wie der Telekom die interne Kommunikation zu überdenken? Nein! Ein weiteres wichtiges Ziel war und ist es, Silos innerhalb des Unternehmens aufzubrechen und abzubauen. Auch die Nutzung von eMails wird zusehens weniger und verlagert sich hin zu Activity Streams. Vom eingeschlagenen Weg ist der Telekom Manager überzeugt. “Ich habe auf diesem Weg ganz anderes und sehr hilfreiches Feedback von meinen Mitarbeitern bekommen“.
  • Verivox | Beim Betreiber eines Verbraucherportals für Kunden von Energie- und Telekommunikationsanbietern, hat man sich für die Entwicklung eines auf Jive basierendes Portal namens “Veriworld” entschieden. Thomas Haida, CIO von Verizon, kann nur positives vermelden. “Wir wurden vom Zuspruch förmlich überrollt“. Laut Haida waren die Kollegen aus der Entwicklung die ersten, welche mit enormen Willen auf der neuen Plattform gearbeitet haben. Dies überrascht besonders. Ist es doch sonst eher so, daß die Entwicklungsabteilungen zurückhaltend bei solchen Themen sind. Auch bei Verizon war ein wichtiger Aspekt, das Wissensmanagement zu verbessern und den Mitarbeitern die Möglichkeit zu bieten ihr Wissen zu präsentieren und es mit anderen zu teilen. All das natürlich für den Erfolg und die Effizienz des Unternehmens. Zum Erfolg tragen abe rauch die gesunkenen IT- und Archivierungskosten bei, welche bei der “alten” eMail-Lösung enorm hoch gewesen sind.
  • AVL | Der österreichische Automobilzulieferer AVL macht sich die Transparenz des Social Business im Verkaufsprozess zunutze und erweiterte seine Kooperation mit Saleforce.com im Bereich Social CRM um eine Erweiterung namens “Chatter”. Basierend auf einem Pilotprojekt “kommunizieren die 20- bis 40-jährigen Kollegen im Vertrieb fast ausschließlich über Chatter“, sagt Michael Blickle, Geschäftsführer bei AVL. Chatter kommt nun die zentrale Rolle im Opportunity- und Salesprozess zu. Werden eingetragene Parameter eines Kunden im Tool geändert, fließen diese in den Activity Stream ein und alle relevanten Mitarbeiter werden automatisch informiert. Gerade bei weltweit tätigen Unternehmen ein sehr wichtiger Aspekt. Insgesamt 1000 Mitarbeiter haben derzeit einen Salesforce- und Chatter-Zugang, pro Monat entstehen in dieser Community rund 4500 Postings. Die rege Nutzung wird durch die Nutzung von mobilen Endgeräte wie iPhone oder iPad enorm gesteigert. Hier nimmt sich AVL aber selbst in die Pflicht “Wir sind ein Hightech-Unternehmen und müssen unseren Mitarbeitern Arbeitsmittel an die Hand geben, die State-of-the-Art sind“, sagt Blickle. Aber anders als bei Verizon ist der Einsatz im gesamten Unternehmen derzeit nicht geplant so Blickle. “Es gibt viele sensible Bereiche, etwa in der Entwicklung, in denen eine transparente Kommunikation über das gesamte Unternehmen hinweg nicht angebracht ist“.
  • Rheinmetall | Der Konzern, der Kunden aus der Verteidigungs- und Automobilbranche mit Hightech beliefert, ist in der Pflicht, Daten vor unberechtigten Zugriffen zu schützen. Dem Recruiting-Markt und potentiellen Mitarbeitern muß man sich aber auch als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Daher ist die Balance aus Transparenz, Offenheit und Vertraulichkeit eine besondere Herausforderung für ein Unternehmen wie Rheinmetall. Markus Bentele, Corporate CIO bei Rheinmetall weiß “Wissen ist Macht, aber Wissen teilen ist mächtiger“. Ein Satz der so logisch erscheint, der aber bei vielen noch nicht angekommen zu sein scheint. Rheinmetall hat all das im internen Konzernportal “Gate²” mit einigen entsprechenden Social- Business-Funktionen abgebildet. Basierend auf IBMs Enterprise-2.0-Lösungen “Connections”, “Quicker” und “Sametime“, haben derzeit mehr als 11.000 Rheinmetall-Mitarbeiter Zugriff auf “Gate²”. Nutzer können sich mittels Activity- und News-Stream informieren, über ein integriertes Instant Messaging miteinander kommunizieren, Diskussionsrunden eröffnen oder ihnen beitreten sowie einen eigenen Blog und ein Wiki betreiben. Darüber hinaus öffnen Funktionen wie Yellow Pages, Tagging und Microblogging die Möglichkeit zur synchronen Kommunikation und Zusammenarbeit. “Wir haben die Innovationen und Erfahrungen von Social Media genommen und ins Unternehmen übertragen”, lobt Bentele die Plattform.

Was schließen wir aus diesen Beispielen?

Enterprise 2.0 kommt immer mehr in den Unternehmen an und spielt strategisch eine immer wichtigere Rolle.

Das Wissen der Mitarbeiter wird in den Mittelpunkt gerückt und trägt in dieser Form mehr und mehr zum Erfolg der Unternehmen bei. Dies ist nicht etwas nur auf Globalplayer beschränkt, sondern trifft auch auf kleine- und mittelständische Unternehmen zu. Die Tools und Anwendungen mögen verschieden sein, verfolgen aber alle das gleiche Ziel welches im Bericht oben bereits erwähnt wurde:”Wissen ist Macht, aber Wissen teilen ist mächtiger“.

Wissen Sie von weiteren Beispielen einer erfolgreichen Einführung von Social Business oder Enterprise 2.0 Projekten?

2 thoughts on “Computerwoche zum Thema Enterprise 2.0 | Mehr soziale Vernetzung wagen

  1. Gute Zusammenstellung und auch der CoWo Artikel liest sich gut. Übertragbar auf das Gros der Unternehmen sind die Beispiele jedoch nicht: CIOs wie Kurt de Ruwe und Markus Bentele konnten auf einer entsprechenden Unternehmenskultur und Erfahrungen zur internen Zusammenarbeit aufbauen. Das schmälert nicht ihren Anteil am Erfolg, zeigt aber, dass es einen langen Weges kulturell Vorbereitung im Unternehmen bedarf. Und die meisten Unternehmen haben diesen Weg noch vor sich. Die “Abkürzung” einfach die gleiche Software wie eine Bayer oder Rheinmetall einzuführen funktioniert nicht, denn auch bei Social Business “Culture eats (IT)strategy for breakfast.”

    • Da stimme ich absolut zu, dass es nicht funktionieren wird die gleiche SW in verschiedenen Unternehmen implementieren zu wollen. Aber die Tatsache das Unternehmen zusehends die Vorteile entdecken zu scheinen stimmt positiv. Die Kultur und Begebenheiten sind in jedem Unternehmen anders und von daher würde eine Adaption einer Lösung in anderen Unternehmen wenig Sinn machen.

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