Die Planer der Stadt Hannover sind nun in heller Aufregung, wie man den vermeintlichen Unfallschwerpunkt planerisch in den Griff bekommt. Nachdem sich nun zum wiederholten Male ein schwerer Fahrrad-Unfall auf der Kreuzung zwischen Landtag und Waterloo-Platz ereignet hat, ist dies zu einer öffentlichen Debatte geworden. 

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Bild: HAZ-Hannover

Kann man den Verkehr mit Fahrradfahrern planerisch und praktisch in den Griff bekommen?

Ich denke das geht nur bedingt. Genauso wie bei allen anderen Verkehrsteilnehmern auch, kann man Regeln und Vorfahrten zu Gunsten der Radfahrer ändern und anpassen. Die Beteiligten müssen sich dann nur auch danach richten. Sonst bringen die besten und teuersten Änderungen der Verkehrsführung- und Beruhigung nichts. Das gilt natürlich nicht nur für die Fahrradfahrer sondern auch für die, im Zweifelsfall immer für schuldig erklärten, Autofahrer.

Aber haben die Autofahrer immer Schuld?

Nein, haben sie wie ich finde nicht. Bedingt durch den in deutschen Städten vorherrschenden Schilderwald und die in den Vordergrund gerückten Interessen der Radfahrer, sieht man teilweise der Wald (Fahrradfahrer) vor lauter Bäumen (Schildern und Regeln) nicht mehr.

Man bekommt (teilweise) das Gefühl vermittelt, der Radfahrer hat mehr Rechte und benimmt sich daher im Straßenverkehr nicht gerade berechenbar. Das ist vermutlich auch der Grund, warum viele einen Helm tragen. Ich habe in manchen Situationen das Gefühl, der Helm vermittelt seinem Besitzer den Eindruck er habe übersinnliche Fähigkeiten und ist “unantastbar”. Man verlässt sich regelrecht auf den Helm und auf seine Rechte als Radfahrer und “fährt einfach mal drauf los”.

Natürlich ist all das hier gesagte wahrlich nicht auf die Allgemeinheit anzuwenden, aber ich denke wenn auch nur ein kleiner Teil so denkt, ist dies der Teil der mit Unfällen das Gefüge aus den Angeln sprengt.

Back to the roots

Was also kann man, neben der ganzen teuren Planerei, noch für die Verkehrssicherheit und das friedliche Miteinander auf den Straßen tun? Wie können Fahrradfahrer und Autofahrer friedlich zusammen klarkommen?

Nun, warum nicht alles wieder etwas einfacher gestalten und zwar für beide Seiten? Es gibt in Deutschland ein allgemeines Rechtsfahrgebot. Warum dann nicht auch für Radfahrer?

Ich kann mich nicht erinnern, in meiner Kindheit ein solches Theater erlebt zu haben. Da gab es EINE Regel und die hieß “Du fährst Rechts!”. So hat man es gelernt und so macht es jeder andere im Straßenverkehr auch. Dann kann man sich auch in jeder Rolle (Rad oder Auto) darauf verlassen, daß sein Gegenüber auch Rechts fährt.

Vor allem macht man es damit auch den Autofahrern wieder einfacher. Früher kamen Radfahrer auf der rechten Seite. Heute können sie von überall kommen. Das diese Tatsache die Unfallzahlen nicht zwingend nach unten bringt dürfte klar sein.

Warum alles so kompliziert und teuer machen? Alle fahren auf der rechten Seite und Ende! 

Aber auch dann werden wir über die selben Dinge und Unfälle reden, weil sich eben nicht alle an die Regeln halten. Egal ob Radfahrer oder Autofahrer. Egal ob mit oder ohne Helm. Aber die Regeln sind wesentlich einfacher und auch in der Stadtplanung nicht so teuer und auswendig.

2 thoughts on “Änderung der Verkehrsführung am Frederikenplatz Hannover nach mehrfachem Fahrrad-Unfall

  1. Puh,

    dieser Kommentar enthüllt einiges an Unwissen über die Mechanismen von separierter Verkehrsführung von Radfahrern und offensichtlich auch einige Vorurteile darüber, wie viele Radfahrer an Unfällen mit Autos tatsächlich selbst schuld sind.
    Hauptverursacher waren Radfahrer bei
    – Unfällen mit Pkw zu 28% und
    – Unfällen mit Güterkraftfahrzeugen zu 22%
    Quelle: “Zweiradunfälle im Straßenverkehr 2005″, Statistisches Bundesamt

    So richtig viel ist das also nicht. Das Hauptproblem liegt im Selbstverständnis von motorisiertem Verkehr, dass diesem die Fahrbahn alleine gehören würde. Deshalb werden unmotorisierter und motorisierter Verkehr getrennt geführt mit unendlich vielen Kreuzungsbereichen. Und da sind Radfahrer zwangsläufig mit Faktor 4 so häufig in Unfälle verwickelt wie auf Radwegen. Linksseitige (“falsche”) Radwege sind sogar mehr als 10-mal gefährlicher als die Fahrbahn. Ist so halt praktischer fürs ungebremste Weiterkommen der motorisierten Verkehrsteilnehmer, gelle?
    Interessant ist, dass dies schon seit mehr als 25 Jahren bekanntes Wissen ist. Doch selbst Hinweise des Bundesverkehrsministeriums, dass die Verkehrsrechtsnovelle von 1997 die Rechtslage inzwischen deutlich geändert habe, bringt die Kommunen immer noch nicht dazu, daran etwas zu ändern. Das sind die Hintergründe des Fiaskos an Unfällen mit unmotorisierten Verkehrsteilnehmern, und nicht, dass sie kein Licht haben oder andere technische Gründe.
    Weiterhin viel Spaß beim Stammtisch-prollen!

    S. F.

    • Danke für den ausführlichen Kommentar. Das ganze hat nichts mit Prollerei zutun und zum anderen möchte ich das auch von mir weisen. Aber trotz alledem. Ich wollte ich nur zum Ausdruck bringen, das ich nicht verstehe warum man es so oft so sehr verkomplizieren muss.

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